Nachhaltige Investments

Nachhaltige Investments werden heuer in Österreich immer stärker nachgefragt. Der Trend war schon im Jahr 2015 sehr deutlich zu erkennen, er hält ungebrochen an.

Nachhaltige Investments in Relation zum Gesamtmarkt

Einen überproportionalen Zuwachs verzeichneten Fonds für nachhaltige Investments im Jahr 2015. Das lag auch daran, dass praktisch alle einheimischen Fondsgesellschaften in diesem Jahr endgültig auf den Zug aufsprangen. Zwar ist die Größenordnung in Relation zum Gesamtmarkt noch bescheiden. Als bemerkenswert gilt dennoch, dass sich inzwischen nicht mehr nur die großen institutionellen Investoren, Stiftungen und Spezialfonds für nachhaltige Investments in Österreich interessieren, sondern auch die Publikumsfonds. Die entsprechende Marktauswertung nahm die Unternehmensberatung RFU vor, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert hat. Zum Jahresende 2015 verwalteten österreichische Fondsgesellschaften sechs Milliarden Euro allein in den 63 nachhaltigen Publikumsfonds. In 2015 kamen sieben solcher Fonds hinzu, das Gesamtvolumen stieg um 12 % (etwa 600 Millionen Euro). Im österreichischen Gesamtmarkt erreichte das Segment einen Marktanteil von 7,8 %, auch dieser Anteil war 2015 überproportional gewachsen. Von 25 Fonds-Anbietern haben 19 nachhaltige Investments in ihrer Produktpalette. Das Ranking führt die Erste Sparinvest an, ihr Marktanteil lag 2015 bei 26 %. Rang zwei konnte die Raiffeisen KAG für sich verbuchen (17 %), den dritten Platz teilten sich die kleineren Anbieter Security KAG und Schelhammer & Schattera KAG. Letztere hat sich schon vor längerer Zeit auf ethische Investments spezialisiert.

Interesse der Anleger an Nachhaltigkeit

Für das Interesse an Nachhaltigkeit beim Investieren ist der Idealismus von Anlegern nicht das einzige Motiv. In volatilen Marktphasen hoffen diese auch, dass solche Investments wertstabiler bleiben. Das liegt daran, dass ethisch und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und Staaten in der Regel nicht auf schnellen Profit aus sind und mit Augenmaß operieren. Es geht auch in finanzieller Hinsicht um Nachhaltigkeit und nicht um den schnellen, großen Coup, der allzu oft misslingt. Die Hoffnung der Anleger für nachhaltige Investments bestätigt sich in der Regel diesbezüglich: Diese Anlagen machen selten Höhenflüge, doch ihr Risiko für Abstürze ist ebenfalls sehr viel geringer. Der Nachhaltigkeitsindex Vönix nimmt Unternehmen mit Listung an der Wiener Börse auf, in den Jahren 2005 bis 2015 schnitt er besser als der ATX Prime ab. Auf Jahressicht der letzten beiden Jahre liegen beide Indizes in etwa gleichauf. Das bedeutet: Nachhaltige Investments sind in Österreich keinesfalls mit dem Makel von Gewinnverzicht behaftet.

Was sind nachhaltige Investments?

Für die Nachhaltigkeit gibt es verschiedene Definitionen und keine gesetzlichen Vorgaben. Aufgrund der unterschiedlichen Kriterien und Standards besteht ein gewisses Risiko, dass interessierte Anleger einem Werbeschmäh aufsitzen. Die Experten von RFU (siehe oben) stellten den österreichischen Fonds aber gute Zeugnisse aus: Die meisten von ihnen verfügen über mindestens ein Qualitätssiegel einer externen Stelle:

– 32 von 63 Fonds können das von staatlicher Seite vergebene „Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzierungen“ vorweisen.

– 11 Fonds tragen das „FNG-Siegel“, das seit 2015 für nachhaltige Publikumsfonds verliehen wird.

– 47 österreichische Fonds erhielten vom europäischen Forum Eurosif das Siegel „Europäischer Transparenz-Kodex für Nachhaltigkeitsfonds“.

Viele Fonds tragen zwei oder auch alle drei dieser Auszeichnungen. Dennoch ist die Frage zu klären, was genau mit der Nachhaltigkeit gemeint ist. Es werden ökologische, ethische und soziale Aspekte untersucht. Die Ethik kann sich darauf beziehen, dass kein Geld in die Atomkraft oder die Waffenproduktion fließt, soziale Aspekte betreffen beispielsweise die gerechte Entlohnung von Arbeitern auch in Drittweltstaaten. Die Anlageprodukte folgen schon rein aus strukturellen Gründen unterschiedlichen Konzepten. Die Investition in einen Solarpark wird naturgemäß sehr viel stärker den Umweltaspekt betonen als nachhaltige Investments in Textilfabriken, die mit Fair Trade Produkten arbeiten. Anleger sollen nach Expertenmeinung außerdem immer darauf schauen, dass nachhaltige Investments renditestark sind. Ein gutes Gewissen, das mit Verlusten erkauft wird, bringt am Ende niemandem etwas: Die entsprechenden Betriebe werden irgendwann aus ökonomischen Gründen aufgeben müssen. Nachhaltige Investments sollen aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht nachhaltig wirken.